Stürmerscouting

Ein Kumpel hatte mich gebeten herauszufinden, wieviele Tore Pierre-Emerick Aubameyang in der letzten Saison „geschenkt“ bekommen hatte, also ins leere Tor, ohne Torwart einschieben konnte.
Um das Ganze etwas vergleichen zu können und weil es mich dann interessiert hatte, habe ich mir noch die Tore von Robert Lewandowski, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi angesehen und diese statistisch erfasst. Dabei habe ich Tore in den Ligen, dem Pokal und der Champions League beachtet.

Aubameyang schießt keine Weitschusstore

Aubameyang kann am ehesten von den Vieren als klassischer Strafraumstürmer bezeichnet werden. Abgesehen von drei Toren hat er alle in einem Abstand von 11m oder weniger geschossen, davon auffällig viele im Fünfmeterraum.

Aubameyang_01

Auffällig ist auch, dass er es mag, auf die ballferne Seite zu ziehen, um für lange Bälle und Abpraller parat zu stehen. Besonders der Bereich rund um die rechte Kante des Fünfmeterraums kann als seine Zone bezeichnet werden. Zudem wurden sieben dieser Tore von Dembélé vorbereitet. Teilweise mit dem immer gleichen Spielzug über Links.
Gleichzeitig muss man Aubameyang aber auch ein starkes Stellungsspiel bescheinigen.

Aubameyang_02

Allgemein hat Dembélé einen Großteil, genauer gesagt 12, der Tore von Aubameyang vorbereitet. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich seine Torausbeute und auch die Art in der nächsten Saison, nach dem Dembélé-Wechsel verändern wird.

Lewandowski eine Art „Halblinker Mittelstürmer“?!

Robert Lewandowski ist nicht ganz so stark wie Aubameyang auf die Tornähe fixiert. Es ist allerdings auffällig, dass beinahe alle Weitschuss- und auch Freistoßtore aus der selben halblinken Position erzielt wurden.

Lewandowski_01

Dafür hat er kaum Tore in der rechten Seite des Strafraums erzielt. Dafür sehr viele direkt in der Mitte des Sechzehners.

Lewandowski_02

Generell hat Lewandowski nicht eine Tendenz sich ballfern zu positionieren, sondern bleibt eigentlich meistens mittig.

Messi macht viel alleine

Lionel Messi schießt, von den hier diskutierten Spielern, die meisten Tore aus der Distanz. Selbstverständlich immer von Rechts kommend, um mit seinem starken Fuß abschließen zu können. Besonders die Zone in der Mitte zwischen Elfmeterpunkt und Fünfmeterraum ist bei ihm regelrecht verweist. Markant ist zudem wie vielen seiner Tore eine individuelle Aktion voraus geht. Messi schießt häufiger Tore nach einem Alleingang, wie ein einzelner Mitspieler Tore vorbereitet hat. Er ist einfach in der Lage „aus dem Nichts“ für ein Tor zu sorgen.

Messi auch noch_01

Dazu fällt auf, dass allen Toren im nachfolgend markierten Bereich die gleiche Laufrichtung aus der halbrechten Grundposition vorausgeht.
Dabei ist Messi ziemlich einbeinig, da er lediglich 5 Tore mit Rechts und eines mit dem Kopf erzielen konnte.

Messi auch noch_02

Ronaldo ist kein Linksaußen mehr

Christiano Ronaldo hat in der letzten Saison kaum Tore aus der klassischen Position des Linksaußen geschossen. Sicherlich auch auf die Umstellung Zidane´s von einem 4-3-3 auf ein 4-3-1-2, mit Isco statt Bale, zurückzuführen. Es kann aber auch argumentiert werden, dass Ronaldo die Transformation vom Außenstürmer zum Mittelstürmer endgültig abgeschlossen hat, denn bereits in den vorherigen Saisons überließ er häufig Marcelo den linken Flügel.

Und Ronaldo_01

Außerdem fiel auf, wie oft Ronaldo aus der rechten Position an der Kante des Fünfmeterraums abschließen konnte. Quasi wie Aubameyang. Im Gegensatz zu Aubameyang entstanden diese Chancen von Ronaldo aber zumeist aus klassischem Kreuzen mit dem zweiten Stürmer. Darauf muss auch meiner Meinung nach die relativ geringe Torausbeute von Karim Benzema zurückgeführt werden. Benzema macht hier doch viel Drecksarbeit für Ronaldo.

Und Ronaldo_02

Direkter Vergleich

Zunächst möchte ich die Variabilität vergleichen:

 LinksschussKopfballRechtsschuss
Aubameyang28%20%45%
Lewandowski21%9%35%
Messi62%2%9%
Ronaldo11%21%45%

Der Rest entfällt auf Elfmeter und Freistöße (s.u.).
Messi ist im Abschluss der Eindimensionalste, da er quasi immer seinen linken Fuß benutzt. Aubameyang hingegen schließt mit allen Körperteilen ab und ist somit, was den reinen Abschluss betrifft, am schwersten auszurechnen.

Hinzu kommt die bevorzugte Angriffsseite:

 Linke SeiteMitteRechte Seite
Aubameyang28%33%25%
Lewandowski30%21%21%
Messi28%25%23%
Ronaldo32%18%26%

Wobei sicherlich nicht gesagt werden kann, dass dies auf den Vorlieben und Stärken der Spieler beruht, sondern viel mehr auf dem Stil des Teams.
Dortmund spielte in der letzten Saison am häufigsten über die Mitte in der Bundesliga.
Bei Bayern konzentriert sich unter Ancelotti vieles auf Ribery.
Messi hat es leichter zu treffen, wenn über die andere, linke Seite gespielt wird. Bei einem Angriff über Rechts konzentriert sich die gegnerische Mannschaft hauptsächlich auf ihn und er muss für andere kreieren oder den Alleingang suchen.
Und Ronaldo überlässt den linken Flügel Marcelo und Toni Kroos. Nach der Systemumstellung kam dazu noch vereinzelt Isco hinzu.

Doch zurück zum Kern des Beitrags: Wie viele Tore hat jetzt jeder der vier Stürmer „geschenkt“ bekommen?

Spielerleeres Tordurchschnittliche Verteidigeranzahl in der NäheElfmeter
Aubameyang33%0,87,5%
Lewandowski12%0,620,9%
Messi9%117,0%
Ronaldo13%0,615,8%

Wie bereits oben erwähnt, im Vergleich muss Messi am härtesten für seine Tore arbeiten. Er hat den geringsten Anteil ins leere Tor schieben dürfen undhat im Schnitt immer einen Gegenspieler, der ihm auf den Füßen steht.
Lewandowski hätte ohne die vielen Elfmeter kaum eine Chance auf die Torjägerkanone gehabt.
Außerdem war das Bauchgefühl richtig, dass Aubameyang häufig ins leere Tor einschieben durfte. Dafür hat er aber auch etwas mehr Gegenspieler als Ronaldo und Lewandoski im Moment des Torabschlusses um sich und einen geringeren Anteil an Elfmetertoren für sich.
Unterm Strich hat das Dortmunder Team und Dembélé im Speziellen einen tollen Job gemacht Aubameyang freizuspielen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich seine Torausbeute nach den Abgängen von Dembélé und Tuchel in der Saison 17/18 verändert.

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